Ausbildungspaten

Ausbildungspaten“ ist ein Projekt der ehrenamtlichen des Freiwilligenzentrums Hannover. Sie unterstützen Jugendliche in der Berufsorientierung.

Wie funktioniert das Projekt „Ausbildungspaten“?

Das Projekt wird vom Freiwilligenzentrum Hannover koordiniert. Die Ausbildungspat*innen stehen mitten im Berufsleben oder haben es schon hinter sich. Ihre Arbeit ist ehrenamtlich und für interessierte Schüler*innen kostenlos. Bei einem Kennenlern-Workshop kann man mehrere Pat*innen treffen. Im Erstgespräch müssen die Schüler*innen dann ein Kontaktformular ausfüllen, in dem sie ihre Adresse hinterlassen und Infos über ihre Schule hinterlassen. Darüber hinaus unterschreiben beide Seiten eine Patenschaftsvereinbarung. Darin wird etwa geregelt, dass man ehrlich zueinander ist, Verabredungen einhält und die Gespräche vertraulich bleiben. Die Eltern müssen nicht ausdrücklich zustimmen, sollten aber mit unterschreiben, wenn die Schüler*innen noch nicht 18 Jahre alt sind. Wie oft und wo man sich trifft, entscheiden Pat*in und Schüler*in gemeinsam, ebenso über das Ende der Patenschaft. Meist dauert sie anderthalb bis zwei Jahre – also vom Kennenlernen während der Schulzeit bis zum Beginn der Ausbildung.

Praxisbeispiel: Angelika Stoll

„Eins ist klar: Ich will nicht wie ein Prinzesschen behandelt werden. Schließlich packe ich auf der Baustelle genauso mit an wie alle anderen.“ Wenn Alexandra Garre mit leuchtenden Augen und voller Selbstbewusstsein von ihrer Ausbildung zur Trockenbaumonteurin erzählt, kann es ihre Patin Angelika Stoll noch immer nicht so recht glauben. Als sie Alexandra im November 2017 bei den Ausbildungspaten kennenlernte, ist die damals 16-Jährige sehr zurückhaltend und ihre mündlichen Noten in der Berufsfachschule BBS3 Bautechnik sind alles andere als gut. „Sie war so schüchtern, hatte keine Traute. Obwohl sie ganz klar wusste, dass sie einen technischen oder handwerklichen Beruf ergreifen wollte.“

Ein typischer Fall für die Ausbildungspaten, ein Projekt des Freiwilligenzentrums Hannover. Seit 2006 hat sich ein Pool von 250 ehrenamtlichen Pat*innen gebildet, die unsicheren Jugendlichen mit ihrer Erfahrung aus dem Berufsleben helfen wollen. Sie bieten Orientierung, bauen eine persönliche Beziehung zu ihrem „Patenkind“ auf, sind Vorbilder und Wegbegleiter. Dazu gehören unter anderem das Erstellen von Bewerbungsschreiben, das Üben von Bewerbungsgesprächen sowie das persönliche Coaching der Jugendlichen. Nicht zuletzt bringen die Pat*innen ihr jeweils eigenes Netzwerk mit, von dem der Nachwuchs profitieren kann. So wie Angelika Stoll, pensionierte Sekretärin der Uni Hannover.

Gemeinsames Lernen mit dem Ausbildungspaten

Anfangs trifft sie sich einmal in der Woche mit Alexandra im Café des Freiwilligenzentrums und übt mit ihr Englisch, um die Zensuren zu verbessern. Später leihen sie sich einen Laptop aus, um Bewerbungen zu schreiben. Nach ihrem Beitrag gefragt, bleibt Angelika Stoll bescheiden: „Ich habe wirklich nur unterstützt. Alexandra hat alle Anschreiben allein getippt und penibel geordnet auf einem Stick abgespeichert.  Wir haben Vorstellungsgespräche trainiert und sie wurde immer selbstbewusster.“ Als sie dann ihren Ausbildungsvertrag bei der Trockenbau-Firma Skala in Altwarmbüchen in der Tasche hat, sind beide glücklich: Das gemeinsame Lernen hat sich gelohnt.

In ihrem Ausbildungsbetrieb fühlt sie sich von Beginn an als einzige Frau im Team akzeptiert. „Ich sage mir immer, ich will den Beruf erlernen, also muss ich das auch können – und wenn es das Schleppen einer zwei Meter hohen Gipswand ist, die 18 Kilo wiegt“, erzählt die junge Frau, die in den ersten zwei Jahren den Beruf des Trockenbauers erlernt und nach dem dritten Ausbildungsjahr die Prüfung zur Trockenbaumonteurin ablegen kann. „Das Bauen von Wänden macht mir wirklich viel Spaß. Spachteln hingegen ist eine Kunst für sich. Damit das Endergebnis so glatt wie ein Kinderpopo ist, muss ich noch ganz schön viel üben“, sagt Alexandra und lacht.

Als nächstes will die 18-Jährige den Führerschein angehen. Denn die Fahrten zu den Baustellen mit Bus und Bahn sind für die Misburgerin umständlich und zeitraubend. „Wenn ich Freitagabend eine WhatsApp bekomme und die Adresse für den nächsten Einsatz lese, muss ich manchmal schlucken. Um beispielsweise in Wennigsen pünktlich um 6.45 Uhr auf der Baustelle zu sein, muss ich um 3 Uhr aufstehen.“ Doch obwohl Alexandra Garre manchmal von den langen Wegen genervt ist, bereut sie ihre Berufswahl nicht. Auch die Unterstützung der Ausbildungspaten war für sie perfekt. Die Chancen, im Betrieb übernommen zu werden, sind gut. Und selbst wenn es nicht klappt, stehen ihr im Handwerk viele Türen offen. „So wie sich Alexandra in den vergangenen zwei Jahren entwickelt hat, bin ich überhaupt nicht bange. Sie wird ihren Weg gehen“, ist sich ihre Patin Angelika sicher.